Tiefrot und voll sinnlicher Eleganz

Tiefrot und voll sinnlicher Eleganz

Der Duft der Frauen – Femme von Rochas.

Es beginnt mit einem ungemein fruchtigen Auftakt, der Duft fast überreifer Pfirsiche, von der Sonne verwöhnter, praller Pflaumen und warmem Zimt mit einem Schuss Zitrone umschmeichelt die Nase, während süßer Jasmin und weibliche Rosen, weich-sinnliche Vanille und betörendes Ylang-Ylang langsam beginnen, ihre verführerische Magie zu weben. Sachte lässt sich der Duft auf einem Bett aus holzigem Amber und Sandelholz nieder, um die letzte, abschließende Liebkosung mit einem Tropfen Moschus auf hauchzartem Leder zu genießen. – Es ist unmöglich, sich diesem schweren, verführerischen und ungemein intimen Duft zu entziehen. Wollte man ihn in Farbe greifbar machen, müsste man zu elegant-luxuriösen, intensiven Bordeaux- und Mahagoninuancen greifen, immer wieder durchzogen von sinnlichem, tiefem Baccararot.

Wie bei allen Chypreparfüms fällt auch bei Femme die unglaubliche Ausgewogenheit in der Komposition dieses sowohl fruchtig-blumigen als auch ungemein holzigen, leicht ledrigen Duftes auf, den Marcel Rochas ursprünglich als Hochzeitsgeschenk für seine erste Frau Hélène kreieren ließ. Die Leitlinie, die der Mann, der die Frauen so sehr verehrte, seinem Parfümeur Edmond Roudnitska vorgab, lautete: “Man muss den Duft einer Frau bereits wahrnehmen, bevor man sie erblickt.”

Die Frau, die man vor sich sieht, wenn man Femme wahrnimmt, ist der Inbegriff von kultivierter Weiblichkeit, die perfekte Symbiose aus Eleganz und Sinnlichkeit. Für Rochas besaßen Frauen unter 30 keinen Stil und keine sinnliche Ausstrahlung, und seine Vorliebe für “echte Frauen” spiegelt sich in jedem Akkord des Duftes wider. Femme ist eine Hommage an die Weiblichkeit, ein Parfüm “voller Kurven” … passend zur sinnlichen und extrem femininen Mode von Marcel Rochas, der in seinen Designs die Hüften betonte, den nackten Rücken oder die Schultern in den Blickpunkt rückte oder auch die betont schmale Taille über weit schwingenden Röcken mit üppiger Stofffülle favorisierte. Er war es auch, der bereits vor Diors New Look ein neuartiges Korsett, die guépiére, schuf, die eine Wespentaille und damit die begehrte weibliche Sanduhrfigur formte.

Die sinnlich-weibliche Frau spiegelt sich bereits im Flakon wider, für den, wie bereits bei Elsa Schiaparellis “Shocking”, die Kurven von Mae West als Inspiration gedient haben sollen. Die ersten Flaschen von Femme wurden in Glasflakons von Lalique abgefüllt und in mit der aus Rochas Kreationen berühmten Chantilly-Spitze umhüllten Etuis ausgeliefert. Da 1944, als der Duft lanciert wurde, jedoch einige Ingredienzien, allen voran Alkohol, rationiert und daher nur schwer erhältlich waren, wurde Femme zunächst nur mit ein paar hundert Flaschen auf den Markt gebracht und allein einer ausgewählten Kundschaft zum Kauf angeboten.

Obwohl Femme als Parfüm der Frau schlechthin präsentiert wurde, kann es beileibe nicht jede Frau tragen. Femme ist kein einfacher Duft, er wurde geschaffen für eine Frau, die sich ihrer Weiblichkeit absolut bewusst ist, diese aber nie frivol und offenherzig zur Schau tragen würde, sondern stets auf Stil bedacht ist. Sie betritt einen Raum und ist, genau wie Femme, unmöglich zu ignorieren – was nicht zuletzt auch an der aggressiven, lauten, tiefroten Note liegt, die mancher in Femme wahrnehmen will, das für unseren modernen Geschmack so ungewohnt, fast fremdartig duftet … Neben den edlen, kultiviert-gediegenen Burgundernuancen, die zusammen mit tiefem, sinnlichem Rot das Herz von Femme prägen und deren Dominanz nie zu leugnen ist, schwingen jedoch auch immer weibliches Marienblau und harmonisches, absolut ausbalanciertes Smaragdgrün mit in dieser außergewöhnlichen Komposition für die besondere Frau.

So schlicht und einfach der Name … und doch lebt in Femme ein ganzer Kosmos, es enthält nichts weniger als die Essenz der Frau – eingefangen in einem Duft. Oder wie Marcel Rochas selbst es ausdrückte: “Der Geist des Körpers einer Frau ist ihr Parfüm …” Womöglich ist dem Parfümeur Edmond Roudnitska für Rochas damit das gelungen, wonach Jean-Baptist Grenouille in Patrick Süsskinds “Parfüm” noch mit wahrer Besessenheit gesucht hat: der absolute Duft, der Duft der Frauen.

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  1. Carissima sagt:

    Nach dieser überaus interessanten Umschreibung dieses Parfüms vermag ich es fast zu riechen. Es hilft nichts, ich muss mir diesen Duft zulegen zu sehr sind nun meine Sinne stimuliert worden. Ich hoffe nur, dass ich diesem Anspruch gerecht werden kann. Herzlichen Dank für diese willkommene Anregung.

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