Colorcode-Interieur

Colorcode-Interieur

Wir haben im nachfolgenden Beispiel eine Inneneinrichtung nach einem Colorcode für eine ältere Dame ausgewählt, an dem man exemplarisch sehen kann, wie man einen individuellen Farbcode interpretiert und umsetzt, um sich einen Spiegel seiner selbst zu schaffen in einer Inneneinrichtung, die in Aufbau, Stil, Formensprache und Farbgebung genau der eigenen Persönlichkeit entspricht.

Das Schlagwort bei diesem sehr monochromen und harmonischen Farbcode in überwiegend hellem Mauve und warmem Flieder ist Eleganz subtil, dezent und klassisch. Der Stil ist sehr feminin, elegant und edel, weswegen bei der Auswahl aller Einrichtungsgegenstände auf hochwertige Materialien geachtet wurde. Insgesamt ist der Raum ohnehin nur mit wenigen ausgesuchten Möbeln bestückt, die aber allesamt verhaltenen Luxus und dezente Eleganz verströmen. Daneben gibt die leichte Möblierung dem Raum aber auch eine luftige und schwerelose Atmosphäre, die von duftigen Musselinvorhängen in einem sehr blassen Distelblau noch unterstrichen wird und den zarten ätherischen Farben des Codes Rechnung trägt.

Die pastelligen Töne und leichten Stoffe, die sich im Wind bauschen, dürfen dabei aber nie in einen mädchenhaften, süßlichen Stil abgleiten verhalten romantisch, ja, doch dabei immer edel und dezent in der Gesamtwirkung. Vollkommen fehl am Platz wäre bei diesem Code auch grobe Wolle, die viel zu rustikal wirkt und regelrecht diametral zu diesem Stil steht, weiter passt kein raues Leder oder erdige, schwere Farben, keine dicht an dicht gestellten Fronten, vielmehr muss der luftig-leichte Charakter stets erhalten bleiben.

Dieser Code in hellem warmem Flieder, hellblau geädertem Apricot, blassem Erika, Musselinweiß, silbrigem Lavendel und hellem Rot-Violett steht für eine sensible Persönlichkeit mit großem Potenzial, das aber Unterstützung braucht, um gelebt zu werden. Die einzige intensivere Färbung im Code, ein tiefes Bordeauxviolett, das eine gewisse Durchsetzungskraft anzeigt, kommt lediglich untergeordnet vor, so dass es nur als Akzentfarbe genutzt werden kann in der Gestaltung; dort schenkt es aber willkommene Tiefe und Struktur.

Um dem Raum trotzdem ein stabiles Rückgrat zu geben, wurde daher auf die den gesamten Code durchziehenden silbernen Linien zurückgegriffen. Gleich einem Skelett bilden sie in silbernen Gestellen und massiven antiken Lampenfüßen den Unterbau, auf dem sich der zarte Stil ausbreiten kann. Insgesamt wurde der Raum zusätzlich mit einem Raster unterlegt, das man in der Aufteilung des Raumes und der Gruppierung der Möbelstücke erkennen kann, um diesem fragil wirkenden Stil Halt zu geben, und die Gestaltung bezieht eine große Stärke aus dieser Harmonie.

Eine klare Struktur, Harmonie und die Geometrie des Raumes werden dabei zusätzlich erreicht durch die Balance von horizontalen und vertikalen Linien. So bilden die Kommode, die Leiste, die den unteren Wandteil in einem leicht dunkleren Farbton vom oberen Teil abtrennt, und der quadratische Tisch die Horizontale. Hochaufragende Blumen und die dezenten Streifen im Vorhangstoff betonen dagegen die vertikale Linie und schaffen Balance. Der quadratische Beistelltisch in der Mitte des Raumes sorgt zudem für eine ausgewogene, eher statische und ruhige Atmosphäre im Raum. Der Bilderrahmen direkt darüber greift diese Linie wieder auf lockert die strenge Form aber gleichzeitig durch das zarte Pastell eines Degasbildes etwas auf. Dessen Farbtöne werden schließlich in den apricotfarbenen Rosen auf dem Kaminsims als verbindendes Element wieder aufgegriffen.

Anders verhält es sich mit effektvollen Einzelstücken wie der auffälligen, eleganten Laliquevase ein Unikat, das den Mittelpunkt der Gestaltung bildet, auf den sich alles andere bezieht und sich wie eine stimmige Kulisse darum gruppiert. Passend zum sanften Schimmer der Kristallvase stehen die mit Perlmutt gefassten Bilderrahmen, ein mit matt glänzendem Samt bezogener Sessel, das schwach im Licht glimmende feine Wildleder der Recamière, deren silberne Füße, die antiken Silberleuchter und die polierten Oberflächen der Möbel in einem schimmernden Dialog miteinander stehen, was der von silbrigem Opal durchzogenen Hauptfarbe des Codes entspricht. Ein weißer Teppichboden schließlich betont ebenfalls die Leichtigkeit des Raumes und schluckt überdies zu laute Geräusche, die die ruhige Atmosphäre stören würden.

Die seriöse, ernsthafte Note des hellen Violetttones, der eine ruhige Kraft ausstrahlt, kommt dann wieder in dezenten Ton-in-Ton-Mustern, beispielsweise bei dem zarten Paisley des Sofaüberwurfs in hellem Violett, zur Geltung, die zudem eine gediegene Atmosphäre schaffen. Durch die in einer Farbfamilie gehaltenen Farben wirkt der Raum insgesamt ohnehin sehr ruhig und nahezu neutral; der sehr helle Fliederton der Seidentapete an den oberen Wände kommt fast einem Beige gleich, die untere intensivere Farbe schenkt dem Raum zwar Tiefe, dominiert ihn aber nicht.

Zarte Details, wie an den französischen Stühlen, akzentuieren die zeitlose Eleganz des Raumes, die halbtransparenten Stoffe der hellen Vorhänge aus Musselin sowie gewaschenem Leinen mit auflockernden feinen silbrigen Lurexfäden fangen Lichtreflexe ein, und frische Blumen in Mauve-, Apricot- und Fliedertönen verbinden über die sich wiederholende Farbe die Raumelemente untereinander.

Bei den Blüten bieten sich für diesen Raum Orchideen, noble, aber feinblättrige Iris, Flieder oder elegante Tulpen an, hier aber keine extravaganten Sorten wie Papageientulpen, sondern die schlichten klassischen Formen in Weiß, Violett und zartem Blaurosé. Das neutrale Grün der Blätter bildet zusätzlich eine schöne farbliche Ergänzung.

Ein Zugeständnis an einen weniger dezenten als eher verschwenderischen Luxus und einen willkommenen farblichen Akzent bildet der einzelne Sessel aus beerenfarbenem Samt, der der dunklen Akzentfarbe des Codes entspricht. Und hier gilt: Je intensiver die Farbe, desto präsenter wirkt die Textur des Stoffes. Die Struktur des Gewebes kommt daher auf dem dunklen Samt in der intensiven Färbung wunderbar zur Geltung. Zudem erreicht man ein doppelt sinnliches Erlebnis durch die Kombination des weichen, mattglänzenden Samts in dem tiefen Beerenton. Damit diese starke Farbe sich harmonisch in das Gesamtgefüge des Raumes eingliedert, wird sie in Kissenbezügen auf der gegenüberliegenden Recamière sowie in der Blütenfarbe eines Straußes wiederholt.

Trotzdem wird dieser Raum von einem durchgehend ruhigen Ambiente bestimmt, bei dem keine starken Kontraste, sondern harmonisch ineinander übergehende Farbverläufe in pastelligen Mauvetönen dominieren. Damit dieses Zimmer dennoch nicht langweilig und eindimensional wirkt, wurden über die Texturen eine große Komplexität sowie verschiedene Ebenen geschaffen. Ein femininer Salon für eine zeitlos elegante Dame.

Sag uns Deine Meinung